Handball-Harz: Arten, Anwendung und Hallenregeln
Kaum ein Thema sorgt im Handball für so viele Diskussionen wie Harz. Für die einen gehört es selbstverständlich zum Spiel, weil es Griff und Wurfkraft verbessert. Für Hallenbetreiber und Hausmeister ist es ein Ärgernis, weil klebrige Rückstände auf Boden, Wänden und Geräten landen. Dazwischen stehen Trainer und Jugendleiter, die wissen wollen: Ab wann darf mein Team harzen, welches Haftmittel ist das richtige und wie bekommen wir die Halle wieder sauber?
In diesem Ratgeber erklären wir dir, welche Haftmittel es gibt, wie du sie richtig anwendest, welche Regeln der Deutsche Handballbund vorsieht und wie die Reinigung gelingt.
Kurz gesagt: Harz sorgt für besseren Griff am Ball. In den höchsten Spielklassen der Landesverbände ist Haftmittel ab der männlichen C-Jugend und der weiblichen B-Jugend vorgesehen, in unteren Klassen entscheiden die Landesverbände. Nutze möglichst wenig Harz, reinige Ball, Hände und Halle direkt nach dem Training und kläre die Nutzung vorher mit dem Hallenbetreiber.
Warum Harz im Handball?
Ein Handball ist glatt, und die Hände schwitzen im Spiel. Ohne Haftmittel rutscht der Ball leichter weg, besonders bei Würfen mit viel Drall, bei Pässen mit einer Hand oder bei Täuschungen. Harz macht die Hand leicht klebrig. Der Ball liegt sicherer, Würfe werden präziser und Spieler können den Ball mit einer Hand kontrollieren. Genau deshalb spielen fast alle Erwachsenenteams im Leistungsbereich mit Harz.
Harz verändert aber auch das Material: Mit Haftmittel dürfen größere und schwerere Bälle gespielt werden als ohne. Laut den Informationen des DHB zur Haftmittelverwendung hat ein Ball der Größe 3 mit Haftmittel einen Umfang von 58 bis 60 cm und wiegt 425 bis 475 g, ohne Haftmittel sind es 55,5 bis 57,5 cm und 400 bis 425 g.
Die Regeln: Was sagt der DHB?
Der Deutsche Handballbund hat 2023 eine Regelung zur Haftmittelnutzung eingeführt. Die wichtigsten Punkte laut DHB-Handlungsempfehlungen zur Haftmittelverwendung:
- In den höchsten Spielklassen der Landesverbände ist Haftmittel ab der männlichen C-Jugend und der weiblichen B-Jugend vorgesehen.
- In niedrigeren Spielklassen entscheiden die Landesverbände selbst.
- In allen DHB-Wettbewerben und Regionalligen muss die Nutzung gestattet sein. Befristete Ausnahmen für einzelne Mannschaften sind möglich.
- Die Vereine tragen die Hauptverantwortung für ein wirksames Reinigungskonzept.
Für dich als Trainer heißt das: Informiere dich bei deinem Landesverband, welche Regeln für deine Spielklasse gelten, und sprich frühzeitig mit dem Hallenbetreiber. Viele Kommunen erlauben Harz nur unter Auflagen oder in bestimmten Hallen.
Welche Haftmittel gibt es?
Klassisches Harz in der Dose
Das klassische Handballharz ist eine zähe, klebrige Masse in der Dose. Spieler nehmen eine kleine Menge und verteilen sie auf den Fingerkuppen und in der Handfläche. Es bietet sehr starken Grip, ist aber auch am schwersten zu entfernen. Es eignet sich für Erwachsenenteams im Leistungsbereich.
Harz-Spray
Spray-Harz wird direkt auf die Hände gesprüht. Es lässt sich fein dosieren, ist schnell verteilt und hinterlässt weniger Klumpen. Viele Spieler nutzen es als Ergänzung zum Dosenharz, zum Beispiel in Auszeiten.
Wasserlösliches Harz
Wasserlösliche oder sogenannte Eco-Haftmittel lassen sich mit Wasser und Reiniger leichter von Händen, Bällen und Böden entfernen. Der Grip ist etwas geringer als bei klassischem Harz. Für Hallen mit strengen Auflagen und für Jugendteams, die gerade mit Harz beginnen, sind sie oft die beste Wahl.
Harzentferner und Reiniger
Zum Haftmittel gehört immer der passende Reiniger. Es gibt spezielle Harzentferner für Hände, Tücher für die Tasche und Bodenreiniger für die Halle. Ohne Reinigung klebt der Ball nach wenigen Einheiten dauerhaft, und die Halle wird für andere Nutzer unbrauchbar.
Eine Auswahl an Haftmitteln und Reinigern findest du in unserer Kategorie Handball-Harz.
Die Haftmittel im Vergleich
| Haftmittel | Grip | Reinigung | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Dosenharz klassisch | sehr stark | aufwendig | Erwachsene, Leistungsbereich |
| Harz-Spray | mittel bis stark | mittel | Ergänzung, schnelles Nachharzen |
| Wasserlösliches Harz | mittel | einfach | Jugend, Hallen mit Auflagen |
So wendest du Harz richtig an
Viel hilft nicht viel. Zu viel Harz macht die Hände unkontrolliert klebrig, verschmutzt Bälle und Halle und bringt beim Wurf keinen Vorteil. So geht es richtig:
- Hände trocken: Wische Schweiß vorher ab. Auf nassen Händen haftet Harz schlecht.
- Kleine Menge: Eine erbsengroße Menge reicht für beide Hände.
- Richtig verteilen: Verteile das Harz auf Fingerkuppen, Fingerinnenseiten und dem Handballen. Die Handfläche braucht nur wenig.
- Nachharzen gezielt: In Auszeiten oder in der Halbzeit etwas nachlegen, nicht nach jedem Angriff.
- Harz nicht auf dem Boden abstreifen: Reste gehören auf ein Tuch, nicht an Wand, Bank oder Boden.
Reinigung: Bälle, Hände und Halle
Die Reinigung ist der Schlüssel dafür, dass Harz in eurer Halle erlaubt bleibt. Der DHB empfiehlt, die Halle nach jedem Training oder Spiel mit Haftmittel zu reinigen, am besten noch am selben Tag. Bei Grundreinigern wird je nach Verschmutzung ein Mischverhältnis von 1:10 bis maximal 1:4 empfohlen.
- Hände: Mit Harzentferner oder speziellen Tüchern direkt nach dem Training reinigen. Normale Seife allein reicht bei klassischem Harz meist nicht.
- Bälle: Regelmäßig mit Ballreiniger behandeln. Stark verharzte Bälle eignen sich nur noch für das Harztraining und sollten separat gelagert werden.
- Halle: Reinigungsplan mit dem Hallenbetreiber abstimmen und Verantwortliche im Team festlegen.
- Trikots: Harzflecken auf Trikots vor der Wäsche mit Harzentferner vorbehandeln.
Tipp für Vereine: Benennt pro Mannschaft einen Harzbeauftragten, der Reiniger, Tücher und Bodenreiniger verwaltet. Das zeigt dem Hallenbetreiber, dass ihr das Thema ernst nehmt.
Harz im Jugendbereich: der Einstieg
Für Jugendspieler ist der Umstieg auf Harz ein großer Schritt. Der Ball ist plötzlich größer, schwerer und klebt an der Hand. Plane den Einstieg bewusst: Beginnt einige Wochen vor der Saison im Training, am besten mit wasserlöslichem Haftmittel. Übt Passen, Fangen und Würfe zuerst ohne Gegner. Und nehmt die Reinigung von Anfang an in die Trainingsroutine auf, damit sie selbstverständlich wird.
Mit dem Wechsel auf Harz ändert sich meist auch die Ballgröße. Welche Größe in welcher Altersklasse gespielt wird, erklären wir in unserem Ratgeber Handball-Ballgrößen 0 bis 3. Passende Bälle findest du in der Kategorie Handbälle.
Harzfreie Bälle als Alternative
Nicht jede Halle erlaubt Harz, und nicht jedes Team braucht es. Für diese Fälle haben die Hersteller harzfreie Handbälle entwickelt. Ihre Oberfläche ist griffiger, oft leicht klebrig beschichtet oder mit einer speziellen Struktur versehen. Sie liegen ohne Haftmittel deutlich besser in der Hand als ein klassischer Harzball ohne Harz.
Harzfreie Bälle sind ideal für den Jugendbereich, für Schulen, für Freizeit- und Hobbyteams und für Vereine, die in Hallen mit Harzverbot trainieren. Wichtig ist, sie nie mit Harz zu benutzen: Einmal verharzt, verlieren sie ihre besondere Oberfläche. Lagere harzfreie Bälle deshalb getrennt und markiere sie deutlich, zum Beispiel mit einem Streifen Klebeband oder einem Ballnetz in eigener Farbe.
Harz und Torhüter
Torhüter kommen mit Harz vor allem über den Ball in Kontakt. Weil verharzte Bälle an Handschuhen, Trikot und Hose kleben bleiben, sollten Torhüter ihre Kleidung regelmäßig vorbehandeln und waschen. Viele Keeper haben außerdem ein eigenes Handtuch und Reinigungstücher im Tor, um Gesicht und Hände zwischendurch zu säubern. Harz im Gesicht oder in den Augen ist unangenehm, deshalb gilt: nach dem Training immer zuerst die Hände reinigen.
Harz richtig lagern
Harz verändert seine Konsistenz mit der Temperatur. In einer kalten Tasche wird es hart und lässt sich schlecht verteilen, in der Sonne oder an der Heizung wird es flüssig und kann auslaufen. Bewahre die Dose deshalb gut verschlossen bei Zimmertemperatur auf, am besten in einer kleinen Box oder einem Beutel in der Sporttasche. So bleibt auch der Rest deiner Ausrüstung sauber.
Checkliste für die Harz-Tasche
- Haftmittel (Dose, Spray oder wasserlöslich)
- Harzentferner für die Hände
- Reinigungstücher
- Handtuch zum Abtrocknen
- eigene Harzbälle, getrennt von harzfreien Bällen gelagert
- Bodenreiniger für die Halle, falls der Verein reinigt
Weitere Ausrüstung für die Hallensaison findest du in unserer Checkliste Handball-Ausrüstung.
Häufige Fragen zu Handball-Harz
Ab welchem Alter ist Harz im Handball erlaubt?
In den höchsten Spielklassen der Landesverbände ist Haftmittel ab der männlichen C-Jugend und der weiblichen B-Jugend vorgesehen. In unteren Klassen entscheidet der Landesverband. Informiere dich dort über die Regeln für deine Spielklasse.
Wie bekomme ich Harz von den Händen?
Am besten mit einem speziellen Harzentferner oder Reinigungstüchern. Wasserlösliches Harz lässt sich zusätzlich mit warmem Wasser und Seife entfernen.
Wie bekomme ich Harz aus dem Trikot?
Behandle den Fleck vor der Wäsche mit Harzentferner vor und wasche das Trikot danach wie gewohnt. Verzichte auf hohe Temperaturen, denn sie können den Druck beschädigen.
Was tun, wenn die Halle kein Harz erlaubt?
Sprich mit dem Hallenbetreiber über ein Reinigungskonzept und schlage wasserlösliches Haftmittel vor. Ist Harz nicht erlaubt, spielt ihr mit harzfreien Bällen, die für griffiges Spielen ohne Haftmittel entwickelt wurden.
Wie viel Harz braucht ein Team pro Saison?
Das hängt von Trainingshäufigkeit und Teamgröße ab. Als grobe Orientierung braucht ein Erwachsenenteam mit zwei bis drei Einheiten pro Woche mehrere Dosen pro Saison. Wer sparsam dosiert, kommt deutlich weiter.
Kann ich Harzbälle und harzfreie Bälle gemeinsam nutzen?
Besser nicht. Sobald ein harzfreier Ball mit Harz in Kontakt kommt, verliert er seine griffige Oberfläche und klebt dauerhaft. Lagere beide Balltypen getrennt, am besten in unterschiedlichen Ballnetzen, und kennzeichne sie deutlich, damit sie im Training nicht vermischt werden.
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